Kündigung

Ich habe einen guten Job, um den mich viele beneiden. Ich arbeite in der Firma schon seit sechs Jahren. Vor zwei Jahren hat mein Chef gewechselt. Meine Aufgaben sind immer noch die gleichen. Meine Kollegen sind nett, die Anfahrt zu Arbeit kurz. Alles ist eigentlich in Ordnung. Ausser, dass mein neuer Chef schrecklich ist. Am Anfang wirkte er nett, ganz normal. Inzwischen hat sich das Verhältnis extrem angespannt. Er kontrolliert mich zum Beispiel muss ich jede Email von ihm checken lassen, bevor ich sie verschicke. Er fragt ständig nach, woran ich gerade arbeite. Er stellt mir Fallen mit vorgetäuschten Kunden die Rabatte einfordern, um zu checken ob ich sauber arbeite. Er liegt ständig auf der Lauer, mich bei vermeintlich falschem Verhalten zu erwischen. Dabei kann er mich auch unmittelbar gar nicht kündigen, denn ich mache eigentlich nichts falsch. Ich bin Senior in der Firma und soweit beliebt. Nicht aussergewöhnlich populär aber stabil etabliert. Mir hängt de Situation inzwischen zu den Ohren raus. Statt aufzustehen und einfach meinen Job zu machen, habe ich morgens schon Bauchschmerzen. Ich hasse es zur Arbeit zu fahren. Ich mache sogar mehr Fehler, weil ich mich ständig beobachtet fühle. Ich weiss manchmal nicht mehr was richtig ist und was falsch, weil ich immer unsicherer werde. Was soll ich machen? Wir sind eine mittelgroße Firma, Abteilungswechsel und ein interner Neustart geht daher nicht. Ich schwanke stark zwischen einfach kündigen, gleich morgen und lieber festhalten und weitersuchen.

Andreas: Vielen Dank für diese detaillierte und sympathische Dilemma Beschreibung. Sie wirken richtig nett und reflektiert. Das klingt wirklich nach einer unschönen Situation. Offensichtlich ist, Sie werden dort nicht langfristig glücklich, solange Sie unter diesem Chef arbeiten. Sie haben nur die Chance, zu hoffen, dass er die Firma oder die Position wechselt. Wenn Sie sich nicht von externen Faktoren abhängig machen wollen, die ja auch schwer vorauszusehen sind, dann haben Sie nur die Chance selber die Führung zu übernehmen. Wer schon körperliche Symptome zeigt, der muss aufpassen. Psychosomatische Folgen von psychischer Belastung, wie Mobbing, sind kein Spaß und nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Solange Sie noch die Kraft verspüren ‘gleich morgen zu kündigen’ würde ich fast empfehlen: machen Sie das. Das Leben ist zu kurz für solche Chefs und die Erfahrung zeigt, Mobber ändern sich sehr selten und dann meist nicht aufgrund des Anlasses, das sich eines ihrer Opfer beschwert. Wenn Einsicht gezeigt wird, basiert das oftmals auf Leidensdruck der auf Ihnen selber ruht, sie beginnen zu reflektieren. Gerade aber bei Kontrollimpulsen, denen Sie ja auch nachgekommen sind, indem Sie Ihre Emails vorgezeigt haben, ist der Rückweg sehr schwer. Wer Kontrollimpulsen nachkommt, verstärkt oft das Verhalten. Das ist jetzt kein Vorwurf, nur eine Erklärung. Ich hätte wahrscheinlich instinktiv auch so gehandelt, man hat nicht zu verbergen, also kann man sich auch zeigen. Allerdings folgt dem meist die nächste Eskalationsstufe. Also, ich spüre auch Ihre positive Energie. Kündigung. Das Mobbing nicht auf die eigene Person projizieren, Sie trifft wahrscheinlich überhaupt keine Schuld und es muss Ischl daher auch nicht wiederholen, und nach Vorne schauen.

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